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Verkehrssituation in Eppendorf

Der Baum trägt Schuld

Wattenscheid, 18.08.2011, Christopher Becker
Die Verkehrssituation im Eppendorfer Zentrum steht schon seit Jahren zur Diskussion: Gerade die von den Anwohnern geschilderte Raserei auf der Schützenstraße erhitzt die Gemüter. Die Stadt hat jetzt Vorschläge zur Lösung der Probleme vorgelegt.

Schützenstraße gehört zum Hauptverkehrsnetz

So gehöre der Straßenzug Schützenstraße und Im Kattenhagen zum Hauptverkehrsnetz der Stadt, auf dem eine leistungsfähige, über die Erschließungsstraßen hinausgehende Verkehrsabwicklung gewährleistet werden soll. Auf diesen Straßen gelte grundsätzlich die innerorts zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, im Einzelfall sogar höher. Nur außerhalb dieses Netzes sollen großflächig Tempo 30-Zonen zur Verkehrsberuhigung eingesetzt werden, legt die Verwaltung in einer Mitteilung an die Bezirksvertretung dar.



Ausnahmen bestätigen die Regel: In diesem Sinne könnten sich sehr wohl auch auf Hauptverkehrsstraßen Notwendigkeiten zur Geschwindigkeitsbeschränkung auf Grundlage der Straßenverkehrsordnung ergeben. Bisherige Tempo-30-Zonen hätten sich dabei in Zusammenhang mit einer Fußgänger- und Schulwegsicherung oder zum Beispiel durch die Unfallsituation erschlossen.

Diese besonderen Umstände würden jedoch bei dem Straßenzug an der Schützenstraße nicht vorliegen, führt die Stadt weiter aus. Einerseits wäre in Zusammenarbeit mit der Polizei die Unfallsituation überprüft und als unauffällig bewertet worden, andererseits minderten die meisten Autofahrer aufgrund des kurvigen Straßenverlaufs und der Abbiegevorgänge im Bereich der Einmündung Am Thie die Geschwindigkeit bereits.

Baum behindert die Sicht beim Abbiegen

An diesem Knotenpunkt ergibt sich jedoch für die Verwaltung das eigentliche Problem in Eppendorf. Über einen Zeitraum von drei Jahren (2008 bis 2010) habe die Stadt feststellen können, dass sich für den Bereich Am Thie/Schützenstraße/Kattenhagen eine Unfallhäufungsstelle ergibt. Dabei seien die Unfälle nicht auf eine erhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen, sondern auf Abbiegefehler und Nichtbeachtung des Vorranges der Fußgänger auf den Überwegen. Vor allem das hohe Verkehrsaufkommen ließe nur eine sehr geringe Zeitlücke beim Abbiegen zu, was viele Autofahrer überfordern könnte. Und noch eine Schwierigkeit zur Auslösung von Verkehrsunfällen hat die Stadt in diesem Bereich ausgemacht: Der alte Baum auf der Mittelinsel behindere die Sicht der Fahrzeugführer beim Einbiegen. Schnellstmöglich soll dieser nun gefällt werden. ----Bei einer spontanen Protestaktion setzen sich Eppendorfer Bürger und Politiker für den Erhalt der Eiche im Ortskern ein. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

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Wattenscheid. Die von der Stadtverwaltung angeregte Baumfällmaßnahme (WAZ berichtete) stößt bei der Eppendorfer Bevölkerung auf massiven Widerstand. Bei einer kurzfristig vom Eppendorfer Heimatverein (EHV) organisierten Protestveranstaltung auf der Verkehrsinsel „Am Thie“ suchten Politiker und Bürger im Schatten der Eiche nach Lösungen, um den Baum vor der Säge zu retten.

Zum Hintergrund: Im Zuge verkehrspolitischer Maßnahmen im Eppendorfer Ortskern hat die Stadt den Bereich Schützenstraße/Am Thie/ Im Kattenhagen als Unfallschwerpunkt ausgemacht. Eine Ursache dafür soll der Baum auf der Mittelinsel sein, der den Autofahrern die Sicht beim Abbiegen nehme. Aus einer Mitteilung konnte die Bezirksvertretung erfahren, dass „als Sofortmaßnahme der Baum entfernt wird“.



„Das ist unmöglich“, schimpfte nicht nur der Eppendorfer CDU-Vorsitzende Friedhelm Nunier in Anbetracht dieser Situation, die für Helga Hundrieser, Ratsfrau der Ortsunion, nicht mehr viel mit der ursprünglichen Diskussion zur Verkehrslage im Ortsteil zu tun hat: „Es ging eigentlich immer um die Anregung einer Bürgerin, auf der Schützenstraße eine Tempo- 30-Zone mit sicheren Überwegen einzurichten. Der Baum stand eigentlich nie zur Debatte und muss natürlich erhalten bleiben, das ist klar.“

EHV-Chef Gerd Robok stößt vor allem die Vorgehensweise der Verwaltung bitter auf: „Erstens ist die Unfallgefahr nicht so groß, wie in der Verwaltungsmitteilung dargestellt. Zweitens werden dort einfach Nägel mit Köpfen gemacht, ohne die Menschen mit in die Entscheidung einzubinden. Man muss die Eppendorfer nur fragen – die wissen schon, was zu tun ist.“

Genau das schlägt Klaus-Peter Hülder von der UWG vor. „Wir sollten jetzt drei Schritte einleiten: Zunächst könnte der EHV einen Brief an die Oberbürgermeisterin verfassen, mit der Bitte, den Baum nicht unverzüglich zu fällen. Die jetzt anwesenden Fraktionen werden sich diesbezüglich an die Verwaltung wenden. Im weiteren Verlauf könnten wir thematisch bei Null anfangen und in einer Bürgerversammlung alle Meinungen an einen Tisch bringen.“ Ergänzend wird dazu SPD-Bezirksvertreter Dieter Rakowski heute mit dem Grünflächenamt sprechen, so dass die Eiche bis auf Weiteres tatsächlich stehen bleibt.

Über den Baum-Verbleib im Ortskern herrschte bei den Beteiligten also grundsätzliches Einvernehmen. Wie es jedoch darum weitergeht, bleibt offen. Hülder schlägt einen „kleinen Kreisverkehr“ vor, für EHV-Geschäftsführer Wolfgang Schulz und Hermann Schweihs von Pro Grün würde es schon reichen, die Zebrastreifen zu versetzen, um die Kurveneinsicht zu verbessern: „Dann bräuchten wir auch nicht mehr über den Baum zu sprechen.“

 


,,MIT UNS NICHT!"

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